Excel für Kreative: Die UNIZEICHEN-Funktion 11

Eine ziemlich unbekannte Funktion bietet viel Spielraum für Kreative
 

Aktuelle Excel-Versionen bieten einen Katalog von mehr als 450 Tabellenfunktionen. Viele davon sind so speziell, dass man oft keine Ahnung hat, wofür man sie brauchen kann. In diese Kategorie dürfte auch die Funktion UNIZEICHEN fallen. Oder hast du je von ihr gehört oder kannst gar sagen, wozu sie gut ist?

Nun, ich hätte da ein paar interessante Ideen. Vielleicht hast du ja gerade auf so etwas gewartet, und weißt es nur noch nicht!

Und so geht’s:

UNIZEICHEN – ein unbekannter Geselle

Die Funktion wurde mit Excel 2013 eingeführt. Falls du also noch mit Excel 2010 oder 2007 arbeitest, kannst du hier eigentlich schon mit dem Lesen aufhören. Oder du liest weiter und nimmst das zum Anlass, deine IT-Abteilung endlich zu einem Upgrade auf eine aktuelle Version zu bewegen 🙂

Was macht nun diese Funktion? Die Excel-Hilfe ist hier sehr sparsam:
„UNIZEICHEN gibt das Unicode-Zeichen zurück, das durch den angegebenen Zahlenwert bezeichnet wird“

Klingt erstmal nicht sonderlich spannend. Du kennst vielleicht die ähnliche Funktion ZEICHEN(), mit der man durch viele Sonderzeichen, wie beispielsweise das Copyright-Zeichen © darstellen kann. Das geht mit =ZEICHEN(169)
Der zulässige Wertebereich liegt bei der ZEICHEN-Funktion zwischen 1 und 255, wobei es sich bei den ersten 32 Werten um nicht druckbare Steuerzeichen handelt. Erst ab 33 kommen vernünftige Ergebnisse heraus.

UNIZEICHEN macht etwas ähnliches, hat aber einen unfassbar größeren zulässigen Wertebereich. Damit lassen sich außergewöhnliche Sonderzeichen einfügen, die in den normalen Zeichensätzen nicht angeboten werden. Wenn ich sage unfassbar größer: Es gibt mehr als 136.000 Unicode-Zeichen!

Ein paar Beispiele gefällig?

Beispiele für UNIZEICHEN-Funktion

Beispiele für UNIZEICHEN-Funktion


Vielleicht bringt man damit ja ein paar Jugendliche dazu, anstelle von WhatsApp vielleicht Excel zu benutzen 😉

(Die Beispieldatei kannst du dir hier herunterladen)

Aber es geht natürlich auch sinnvoller. Zum Beispiel lassen sich damit auch die Braille-Zeichen darstellen:

Auch Braille-Zeichen können dargestellt werden

Auch Braille-Zeichen können dargestellt werden

Noch ein wenig Hintergrundinformation

Wie du gesehen hast, ist die Anwendung denkbar einfach. Man übergibt der Funktion nur einen numerischen Wert und das war’s. Einen #WERT!-Fehler gibt es dann, wenn der angegebene Wert Null ist oder außerhalb des gültigen Bereichs liegt. Das ist zum Beispiel auch bei Dezimalzahlen oder negativen Werten der Fall.

Wie eingangs erwähnt, gibt es mehr als 136.000 Unicode-Zeichen. Diese sind in sogenannten Unicodeblöcken zusammengefasst. Nachfolgend ein paar Weblinks, wo du die Blöcke einfach mal durchstöbern kannst.

Auf diesen Seiten findest du häufig nicht den Dezimalwert, sondern einen Hexadezimalwert, mit dem die UNIZEICHEN-Funktion jedoch nichts anfangen kann. Diesen kannst du jedoch einfach mit der HEXINDEZ-Funktion in einen Dezimalwert umwandeln:
=HEXINDEZ(Hexadezimalzahl)

Genauso geht es mit der Funktion DEZINHEX in die andere Richtung, also von einer Dezimalzahl zu einer Hexadezimalzahl:
=DEZINHEX(Dezimalzahl)

Und wenn wir schon beim Umwandeln sind: Die Funktion UNICODE ist das Gegenstück zu UNIZEICHEN und liefert zu einem gegebenen Unizeichen den dazugehörigen Dezimalwert:

Funktionen zum Umwandeln

Funktionen zum Umwandeln

UNIZEICHEN versus Wingdings/Webdings

Nun kannst du natürlich einwerfen, dass zumindest viele der geläufigen Zeichen auch im Wingdings- oder Webdings-Zeichensatz enthalten und über das Menü „Einfügen | Symbol“ viel bequemer erreichbar sind:

Einfügen von Wingdings-Symbolen

Einfügen von Wingdings-Symbolen

Stimmt. Es gibt aber ein paar wesentliche Unterschiede.

Der Wingdings-Smiley wird nur dann als solcher dargestellt, solange niemand die Schriftart in der Zelle ändert. Sobald dies jedoch der Fall ist, wird aus dem Smiley plötzlich der Buchstabe J.
Ein per UNIZEICHEN-Funktion eingefügter Smiley bleibt auch in jeder Schriftart ein Smiley. Das Risiko einer falschen Darstellung ist also deutlich geringer.
Und wenn man die UNIZEICHEN-Formel durch den Wert ersetzt (Kopieren | Einfügen | Nur Werte), dann wird der Smiley auch in der Bearbeitungszeile als solcher dargestellt:

Wingdings versus UNIZEICHEN

Wingdings versus UNIZEICHEN

Die Formel bleibt mit dem UNIZEICHEN besser lesbar:

Unterschiedliche Lesbarkeit

Unterschiedliche Lesbarkeit


Und wer schon einmal versucht hat, eine Zelle mit Schriftart Wingdings oder Webdings direkt zu bearbeiten, kennt das folgende Bild:
Zelle mit Schriftart Webdings

Zelle mit Schriftart Webdings

Weitere Anwendungsbeispiele

Die mit Hilfe der UNIZEICHEN-Funktion erzeugten Symbole können auch innerhalb von Dropdown-Listen verwendet werden:

Dropdown-Liste

Dropdown-Liste


Dies wäre mit Wingdings/Webdings überhaupt nicht möglich.

Ebenso denkbar wäre der Einsatz eines Unizeichens in einem benutzerdefinierten Zahlenformat. Nehmen wir an, du hast eine Pivot-Tabelle erstellt, welche die verkauften Mengen pro Produkt und Verkäufer anzeigt:

Pivot-Tabelle mit Standard-Zahlenformat

Pivot-Tabelle mit Standard-Zahlenformat

Tatsächlich interessiert dich aber nicht die absolute Anzahl, sondern nur, ob das Produkt überhaupt verkauft wurde. Es soll also nur ein Haken gezeigt werden:

Alternative: Benutzerdefiniertes Zahlenformat

Alternative: Benutzerdefiniertes Zahlenformat

Ich habe dafür das Unizeichen mit dem Wert 10004 verwendet:

UNIZEICHEN mit Wert 10004

UNIZEICHEN mit Wert 10004

Dann kopierst du Formel und ersetzt sie durch den Wert. Kopieren | Inhalte einfügen | Werte:

Formel durch Werte ersetzen

Formel durch Werte ersetzen

Jetzt kopierst du die das Häkchen mit Strg+C in die Zwischenablage und rufst in irgendeiner Zelle per Rechtsklick das Menü „Zellen formatieren“ auf. Dort markierst du den letzten Eintrag „Benutzerdefiniert“ und fügst dann in der Zeile „Typ“ mit Strg+V das Häkchen ein:

Benutzerdefiniertes Zahlenformat erstellen

Benutzerdefiniertes Zahlenformat erstellen

Damit hast du das neue Zahlenformat. Da wir nicht zwischen positiven, negativen oder Nullwerten unterschieden haben, wird dieses Häkchen bei jedem Wert verwendet. Nun klickst du auf ein beliebiges Wertfeld in der Pivot-Tabelle und rufst über einen Rechtsklick die Wertfeldeinstellungen auf. Dort gelangst du dann über die Schaltfläche „Zahlenformat“ zu dem zuvor erstellten benutzerdefinierten Format:

Zahlenformat im Pivot-Wertfeld anwenden

Zahlenformat im Pivot-Wertfeld anwenden

Nachdem du alle Fenster geschlossen hast, werden in der Pivot-Tabelle anstelle der Werte nur noch die Häkchen angezeigt!

Wie wäre es mit einer Partie Schach?

Beim Durchstöbern der verschiedenen Unizeichen bin ich auch auf die Symbole für die Schachfiguren gestoßen.

Schachfiguren

Schachfiguren


Was mich dazu veranlasst hat, ein kleines und ganz einfaches Schachspiel unter Anwendung der UNIZEICHEN-Funktion zu erstellen.
Ein einfaches Schachspiel

Ein einfaches Schachspiel

Hinweis:
Das Programm kennt natürlich keine Schachregeln, sondern es dient nur zur Veranschaulichung der UNIZEICHEN-Funktion. Und damit man zumindest ein wenig herumspielen kann, habe ich ein etwas VBA eingesetzt. Daher handelt es sich um eine XLSM-Datei, die du dir gerne hier herunterladen kannst.

Welche Anwendungsmöglichkeiten fallen dir für die UNIZEICHEN-Funktion ein? Lass es uns unten in den Kommentaren wissen.

 

Wenn dir der Artikel gefallen hat: Bitte weitersagen!

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Und immer daran denken: Excel beißt nicht!

P.S. Die Lösung ist immer einfach. Man muss sie nur finden.
(Alexander Solschenizyn)

P.P.S. Das Problem sitzt meistens vor dem Computer.



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11 Gedanken zu “Excel für Kreative: Die UNIZEICHEN-Funktion

    • Martin Weiß Autor des Beitrags

      Hallo Thomas,

      absolut. Zum Beispiel könnte ich mir gut vorstellen, die bedingte Formatierung mit einem benutzerdefinierten Zahlenformat zu kombinieren. Oder eben ein Unizeichen direkt in einer bedingten Formatierung einzusetzen. Da gibt es bestimmt einige interessante Anwendungsfälle.

      Schöne Grüße,
      Martin

  • Sandra

    Hallo Martin,

    vielen Dank für diese inspirierende Idee!
    Man kann sich in der großen Anzahl von Symbolen fast verlieren. Ich muss mich beim Stöbern bremsen, um wieder zurück „ans Tageswerk zu gehen“.
    Welche Unizeichen verwendest du für „Daumen hoch“ u „Daumen nach unten“?
    Vielen Dank!

    Viele Grüße,
    Sandra

  • Christian Bock

    Eine der (wenn nicht sogar die) beste/n Excel-Lexikothek(en) im World-Weiß-Web 😉
    Kurze und auf den Punkt gebrachte Erklärungen mit den dazu passenden Screenshots und modern designter Webseite.

    Der Newsletter „Bedingte Formatierung aufgebohrt“ machte mich besonders neugierig.
    Als ich im Artikel einen Verweis auf die Unizeichen-Funktion entdeckte, dachte ich mir:

    Dem Martin schreib ich (als „bedingter Kommentarschreiber“) jetzt ein paar Gedanken und lasse ein großes Dankeschön hier – für viele „Richtig gut werden mit Excel“ – Newsletter und wertvollen Blogbeiträgen, die mir in einigen Jahren „Kopf zerbrechen mit Excel“ neue Ideen und Lösungen bei der VBA-Programmierung gebracht haben.

    Also, lieber Martin – auf noch viele weitere „Excel-Weiß-heiten“ auf Deiner Seite.

    Für Dich und Deine Familie:
    Alles Gute!

    • Martin Weiß Autor des Beitrags

      Hallo Christian,

      wenn ich jetzt auf Anhieb den errötenden Smiley finden würde, dann käme er gleich zum Einsatz! Vielen Dank für dieses tolle Feedback (und die schönen Wortspiele 🙂 ), da macht das Artikelschreiben gleich nochmal so viel Spaß.

      Auch Dir und Deiner Familie alles Gute und noch viel Freude mit Excel!

      Schöne Grüße,
      Martin

  • Monika Zeevaert-Senger

    Tausend Dank für diesen inspirierenden Artikel!
    Damit lässt sich der Excel-Ferienkurs für Schüler viel spannender gestalten!
    Beste Grüße
    Monika

    • Martin Weiß Autor des Beitrags

      Hallo Monika,

      freut mich sehr zu hören, das klingt mal nach einer interessanten Anwendung 🙂

      Schöne Grüße,
      Martin