Trendanalysen mit Excel

Mit linearen Trends (vorsichtig) in die Zukunft schauen
 

Wer möchte nicht manchmal gerne ein wenig in die Zukunft sehen können? Ein Blick in die Glaskugel oder den Kaffeesatz wären sicherlich mögliche Ansätze.

Aber Excel wäre nicht Excel, wenn es für die Hobby-Wahrsager unter uns nicht auch ein paar passende Funktionen dafür bieten könnte. Einen sehr einfachen Vertreter aus dem Bereich der statistischen Trendanalyse sehen wir uns heute an:

Die SCHÄTZER-Funktion.

Und so geht’s:

Die Trendfunktion SCHÄTZER

Auch wenn es vielleicht etwas komisch klingt: Diese Excel-Funktion heißt tatsächlich so. Mit ihrer Hilfe lassen sich auf einfache Art und Weise lineare Trends berechnen.

Wenn man also eine Reihe von bekannten Werten hat (z.B. Umsätze, Bevölkerungszahlen, Webseitenbesucher etc.), dann lassen sich auf dieser Basis mit der SCHÄTZER-Funktion zukünftige Werte errechnen.

=SCHÄTZER(x;Y-Werte;X-Werte)

Dabei ist x der Datenpunkt, für den der Schätzwert ermittelt werden soll. Der zweite Parameter “Y-Werte” ist eine Reihe von abhängigen Datenwerten (z.B. die Besucherzahlen). Der dritte Parameter “X-Werte” gibt eine Reihe von unabhängigen Datenwerten an (z.B. die Monate).

Die Bereiche für die Y- und die X-Werte müssen gleich groß sein, ansonsten liefert die Funktion einen Fehler zurück.

Kommen wir nach dieser kurzen Theorie zur praktischen Anwendung.

Beispiel: Webseiten-Analyse

Nehmen wir an, wir sind Betreiber einer Website. Mit Hilfe eines Analysetools haben wir die monatlichen Besucherzahlen für die vergangenen 18 Monate ermittelt:

Beispieltabelle: Webseiten-Besucher

Beispieltabelle: Webseiten-Besucher

Zur besseren Veranschaulichung erstellen wir dazu ein einfaches Liniendiagramm. Dazu markieren wir die Datentabelle und wählen aus dem Einfügen-Menü den Diagrammtyp “2D-Linien”:

Einfügen eines Liniendiagramms

Einfügen eines Liniendiagramms

Wenn wir nun im Diagramm einen Rechtsklick auf die Linie mit den Besucherzahlen machen, können wir eine Trendlinie einfügen lassen:

Trendlinie einfügen

Trendlinie einfügen

Liniendiagramm mit Trendlinie

Liniendiagramm mit Trendlinie

Standardmäßig wird hier ein linearer Trend angenommen. Da wir zu Beginn bereits die zukünftigen 6 Monate für unser Diagramm markiert hatten, wird die Trendlinie auch gleich für diesen Zeitraum fortgeschrieben.

Nun wollen wir mit Hilfe der SCHÄTZER-Funktion diese Trendwerte auch berechnen lassen. Dazu schreiben wir in eine Zelle rechts neben unserer Tabelle folgende Funktion:

=SCHÄTZER(A2;$B$2:$B$19;$A$2:$A$19)

Die SCHÄTZER-Funktion

Die SCHÄTZER-Funktion

Wichtig ist hierbei, dass die Bereiche für die Y-Werte und die X-Werte mit den Dollarzeichen als absolute Bereiche festgeschrieben werden. Wenn wir die Formel nun nach unten in die restlichen 23 Monate kopieren, ergibt sich folgendes Bild:

Vergleich der Werte mit der Trendlinie

Vergleich der Werte mit der Trendlinie

Wie man sieht, decken sich die mit der SCHÄTZER-Funktion errechneten Werte mit der Trendlinie in unserem Diagramm (ich habe zur besseren Lesbarkeit noch ein paar Gitternetzlinien eingefügt).

Wenn man sich das Diagramm ansieht, erkennt man in den Monaten 6 bis 9 einen relativ steilen Anstieg, der sich später nicht mehr so steil fortsetzt. Daher wollen wir eine zweite, etwas konservativere Trendberechnung vornehmen, welche nur die Monate 9 bis 18 berücksichtigt. Da uns nur die zukünftigen Monate für die Schätzung interessieren, beginne ich mit meiner SCHÄTZER-Funktion erst im Monat 19:

=SCHÄTZER(A20;$B$10:$B$19;$A$10:$A$19)

Verkürzte Datenbasis

Verkürzte Datenbasis

Auch hier unbedingt wieder auf die absoluten Bezüge für die Y- und X-Werte achten.

Und damit ergeben sich verglichen mit unserer ersten Kalkulation etwas konservativere Besucherzahlen für das nächste halbe Jahr:

Die konservativeren Ergebnisse

Die konservativeren Ergebnisse

Bonus-Tipp

Wer es sich ganz einfach machen möchte: Die SCHÄTZER-Funktion verbirgt sich auch hinter dem Ausfüllkästchen an der rechten unteren Zellenecke. Markieren wird dazu mit der Maus den gleichen Datenbereich wie den Y-Bereich in der SCHÄTZER-Funktion und ziehen dann die Reihe mit dem Ausfüllkästchen weiter nach unten.

Und schon erhalten wir auch die gleichen Ergebnisse wie mit der SCHÄTZER-Funktion:

Trick mit dem Ausfüllkästchen

Trick mit dem Ausfüllkästchen

Die SCHÄTZER-Funktion eignet sich natürlich nur für sehr einfache Anwendungsfälle. Für einen schnellen und unkomplizierten Ausblick kann sie aber doch recht nützlich sein.

Was man aber nie vergessen sollte: Es handelt sich eben nur um einen statistischen Trend. Die Realität sieht manchmal ganz anders aus. Vielleicht sollte man zur Kontrolle doch auch noch im Kaffeesatz lesen…

 

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P.S. Die Lösung ist immer einfach. Man muss sie nur finden.
(Alexander Solschenizyn)

P.P.S. Das Problem sitzt meistens vor dem Computer.


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